Das Pew Research Center hat rund 500.000 englischsprachige Webseiten daraufhin analysiert, ob ihre Texte maschinell erzeugt wurden. Das Ergebnis: Bei über einem Drittel der Seiten, die nach dem Erscheinen von ChatGPT veröffentlicht wurden, finden sich Spuren maschineller Texterstellung. Die Verteilung ist dabei alles andere als gleichmäßig — kommerzielle .com-Domains sind laut der Untersuchung zehnmal stärker betroffen als Seiten aus dem Bildungsbereich oder von Behörden.

Für Unternehmen, die ihre Website als Vertriebs- und Vertrauenskanal verstehen, ist das eine relevante Standortbestimmung. Nicht, weil KI-Unterstützung im Redaktionsprozess grundsätzlich problematisch wäre. Sondern weil der Grundwert eines Textes sinkt, wenn er austauschbar wird.

Warum die Verteilung interessanter ist als die Zahl

Dass gerade kommerzielle Domains vorn liegen, überrascht wenig. Dort ist der wirtschaftliche Anreiz am größten, Inhalte in großer Menge und zu geringen Kosten zu produzieren: Kategorietexte, Ratgeberartikel, lokale Landingpages, Blogbeiträge zur Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Bildungseinrichtungen und Behörden publizieren dagegen seltener, langsamer und meist aus einem fachlichen Anlass heraus.

Das bedeutet aber auch: Wer im kommerziellen Umfeld unterwegs ist, konkurriert mit einem stark gewachsenen Volumen ähnlich klingender Inhalte. Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit verschiebt sich damit von der Menge zur Unterscheidbarkeit. Ein Text, der lediglich zusammenfasst, was ohnehin überall steht, hat es künftig schwerer — unabhängig davon, wer oder was ihn geschrieben hat.

Was Unternehmen daraus ableiten können

Die praktische Konsequenz liegt weniger im Verzicht auf KI-Werkzeuge als in der Frage, an welcher Stelle im Redaktionsprozess sie eingesetzt werden. Sinnvoll ist der Einsatz dort, wo Struktur, Vorarbeit oder Varianten gebraucht werden: Gliederungen entwerfen, Rohfassungen anlegen, Formulierungen straffen, Übersetzungen vorbereiten, Metadaten vorschlagen. Weniger sinnvoll ist er dort, wo der eigentliche Wert des Inhalts entsteht — bei Fachwissen, Projekterfahrung, konkreten Zahlen aus dem eigenen Haus, belegbaren Aussagen.

Drei Punkte, die sich in Website-Projekten unmittelbar umsetzen lassen:

  • Substanz vor Volumen: Lieber zwanzig Seiten mit eigener fachlicher Aussage als zweihundert Seiten Allgemeinplätze. Letztere binden Pflegeaufwand, ohne Sichtbarkeit zu erzeugen.
  • Nachvollziehbarkeit herstellen: Autorschaft, Aktualisierungsdatum, Fachkontext und Quellen sichtbar machen. Das hilft Leserinnen und Lesern und ist gleichzeitig ein Signal für Suchmaschinen und KI-Systeme, die Inhalte weiterverwenden.
  • Redaktionelle Kontrolle verankern: Ein maschinell erzeugter Entwurf braucht eine fachliche Prüfung durch einen Menschen, bevor er live geht. Diese Freigabe sollte kein informeller Zwischenschritt sein, sondern ein definierter Teil des Workflows.

Die CMS-Seite der Sache

Genau hier wird das Thema zu einer Frage der Systemarchitektur. Ein Content-Management-System — also die Software, mit der Redaktionen Inhalte pflegen — kann Qualitätssicherung unterstützen oder erschweren. Hilfreich sind unter anderem:

  • abgestufte Workflows mit Entwurf, Prüfung und Freigabe, sodass kein Inhalt unbemerkt veröffentlicht wird
  • gepflegte Autoren- und Redaktionsdaten, die als strukturierte Angaben ausgegeben werden können
  • Versionsstände und Änderungsprotokolle, damit später nachvollziehbar bleibt, wer wann was angepasst hat
  • Prozesse für regelmäßige Inhaltsprüfung, damit veraltete Seiten aktualisiert oder entfernt werden

TYPO3 bringt diese Bausteine im Kern mit: Arbeitsbereiche für redaktionelle Vorstufen, ein Rechtemodell, das Prüfschritte abbildet, und Protokollierung von Änderungen. Wenn KI-Assistenz eingebunden wird, sollte sie in diesen Rahmen hineinwirken — als Vorschlagsebene innerhalb des Workflows, nicht als Nebenkanal, über den Inhalte direkt in die Auslieferung wandern.

Wo Kennzeichnung sinnvoll ist

Die Untersuchung sagt nichts darüber aus, wie Leserinnen und Leser auf gekennzeichnete KI-Unterstützung reagieren. Belastbar ist nur die Beobachtung, dass der Anteil maschinell mitgeschriebener Inhalte stark gestiegen ist. Trotzdem lohnt eine bewusste Entscheidung im Unternehmen: In welchen Formaten wird KI eingesetzt, was gilt als redaktionell verantwortet, und wird das nach außen transparent gemacht? Eine interne Richtlinie, die diese Fragen beantwortet, ist meist wertvoller als ein pauschaler Hinweis im Footer.

Besonders sensibel sind Bereiche, in denen Fehlinformation Schaden verursacht: rechtliche Hinweise, medizinische oder technische Angaben, Preis- und Leistungsbeschreibungen, Sicherheitsinformationen. Dort gehört jede Aussage durch eine fachlich zuständige Person geprüft, unabhängig davon, wie der Entwurf entstanden ist.

Einordnung für Web- und Softwareprojekte

Die Zahlen aus der Untersuchung machen sichtbar, was in Projekten ohnehin spürbar wird: Reine Textmenge verliert an Wirkung, während Nachvollziehbarkeit und fachliche Tiefe an Gewicht gewinnen. Für Website-Projekte heißt das, Redaktionsprozesse und Freigabestufen früh mitzudenken statt sie nachträglich aufzusetzen. Und für die Werkzeugauswahl heißt es, KI-Funktionen dort einzubinden, wo sie Arbeit abnehmen, ohne die redaktionelle Verantwortung zu verwässern.

Quellen